Henne, Anton (1798-1870)
Joseph Anton Henne, 22. Juli 1798 Sargans - 1870 Luzenberg. Im Benediktinerkloster Pfäffers zum Klosterbruder erzogen, trat Henne mit 17 Jahren das Noviziat an, verliess aber bald die Klostermauern und setzte 1818
seine Studien am Lyceum in Luzern fort, wo ihn Aloys Gügler mit der altdeutschen Literatur und den damaligen Forschungen über die Chronologie der Pharaonen bekannt
machte; das Studium Manethos, das Henne Zeit seines Lebens gefangen hielt, reicht also
bis in seine Gymnasialzeit zurück. 1820 ging er nach Heidelberg und wurde hier durch
Creuzer und Schlosser in die historische Kritik eingeführt. 1823-26 Lehrer in Hofwil;
in diese Zeit fällt die Veröffentlichung seiner poetischen Leistungen, des Diviko und der
schweizerischen Lieder und Sagen. Von Hofwil nach St. Gallen als Stiftsarchivar; hier
machte er sich sofort an die Ausarbeitung der Neuen Schweizerchronik fürs Volk, von
welcher 1828 der erste Band erschien; in streng katholischer Auffassung von Kirche und
Staat sollte sie namentlich der Geschichtsschreibung Zschokkes entgegenwirken. Zur
Abwehr der deshalb erfolgten Angriffe schrieb er die Ansichten eines Obskuranten über
Katholicismus und Protestantismus. Es folgt nach der Julirevolution die politische Tätigkeit Hennes und seine Mitwirkung an dem Verfassungswerk; im Verfassungsrat spielte
er infolge seines Rednertalentes eine hervorragende Rolle. 1833 wurde er Präsident des
katholischen Erziehungsrates und das folgende Jahr Lehrer der Geschichte und Geographie an der in seinem Sinn neu organisierten katholischen Kantonsschule. Damals erschien der zweite Band seiner Neuen Schweizerchronik in vollständiger Umwandlung seiner
frühern Anschauungen: an die Stelle des Autoritätsprinzips auf kirchlichem und weltlichem
Gebiet war das der freien Selbstbestimmung irn weitesten Sinn getreten. 1834 folgte der
dritte und letzte Band, der vorn B. Volksfreund mit wahrem Enthusiasmus aufgenommen
und empfohlen wurde. (Nr. 94 vom 23. Nov. 1834.) 1840 erschien die Schweizerchronik in
neuer Auflage, in der die frühere Auffassung der kirchlichen und staatlichen Verhältnisse
des Mittelalters gänzlich auf den Kopf gestellt war. Dies führte zum Bruch mit der Erziehungsbehörde; auf den Ablauf seiner Amtsdauer wurde Henne seine Lehrstelle gekündigt (August 1841), worauf er dieselbe sofort niederlegte. Bald darauf kam er nach
Bern. Nach seiner Demission bekam er die Stelle eines Stiftsbibliothekars in St. Gallen,
1861 die eines Sekretärs des Erziehungsdepartements. 1870 legte er dieses Amt nieder
und zog sich nach Luzenberg zurück, wo er schon nach wenigen Monaten starb.
- Schweizerische Lieder und Sagen. Basel, Schweighauser, 1824, VI und 228 S.
- Diviko und das Wunderhorn oder die Lemanschlacht. Ein deutsches National-Heldengedicht. Stuttgart und Tübingen, Cotta, 1826. 2 Teile, XX und 370 und 296 S.
- Neue Schweizerchronik für's Volk, nach den Quellen untersucht und dargestellt. St. Gallen,
beim Verfasser, 1828. 404 S.
- Ansichten eines Obskuranten über Katholicismus und Protestantismus. St. Gallen, Huber & Comp., 1829, XVI und 212 S.
- Offener Brief an Herrn Forst- und Kirchetirath Zschokke, Herausgeber des Schweizerboten. St. Gallen, beim Verfasser, 1830. 16 S.
- Die schweizerische Revolution 1798 bis 1834. Ein historischer Umriss. St. Gallen, Bureau
des Freimüthigen, 1834, XIV und 274 S.
- Die Faraone Aegüptens nach dem ägüptischen, siküonischen, argischen, attischen, kretischen, ilischen, thebischen und küprischen Kanon. Ein historischer Versuch.
St. Gallen, Huber & Comp., 1837. 46 S.
- Leitfaden zur Geographie beim Geschichtsunterrichte an der St. Galler Kantonsschule.
St. Gallen, Zollikofer, 1837 und 38. 349 S.
- Schweizerchronik in vier Büchern, nach den Quellen untersucht und dargestellt. Zweite
umgearbeitete und vermehrte Auflage. St. Gallen und Bern, Huber & Comp., 1840.
1196 S. und 4 geneal. Tafeln.
- Die Eidgenossenschaft und die Klöster. Ein Wort, veranlasst durch die Vorfälle irn Aargau. Von einem katholischen Laien. Zürich, Orell-Füssli, s. a. 40 S.
- Dr. Henne's Vertreibung von der kathol. Kantonsschule in St. Gallen am 31. August 1841
durch den Greithischen Erzieliungsrath. St. Gallen, Wegelin & Ganss. 48 S.
- Dr. Henne's Versuch einer Herstellung der 375 Faraonen des alten Aegyptens und der
ältesten Chronologie, vertheidigt gegen eine blinde Verunglimpfung von Seiten des
Prof. K. W. Müller in Bern. Bern, Haller, 1844. 16 S.
- Allgemeine Geschichte von der Urzeit bis auf die heutigen Tage. Ersten Bandes erstes
Buch (Vorgeschichte) und zweites Buch (Hellenengeschichte). Schaffhausen, Brodtmann, 1845 und 1846. 840 S.
- Das Duell auf schweizerischen Schulen und der am 4. Juli 1846 in Bern gegründete
schweizerische Verein. Bern, Huber & Comp., 1846. 20 S.
- Das Dasein alteuropäischer eigenthümlicher Bevölkerung und Kultur, eigener Geschichte,
Mythen und Chronologie und ihr Verhältniss zur ägüptischen, biblischen, assürischen
und persischen oder die endliche Herstellung Manethons. Schaffhausen, Brodtmann,
1847. 20 S. und 1 Tafel.
- Der Sonderbund und dessen Auflösung durch die Tagsatzung im November 1847. Mit
dem Schauplatze des Krieges und den Bildnissen von Dufour und Ochsenbein. Schaffhausen, Brodtmann, 1848. 124 S.
- Die Maikäfer. Ein offener Brief ans Berner Volk. Bern, Vereinsbuchdruckerei, 1850. 24 S.
- Geschichtliche Darstellung der kirchlichen Vorgänge und Zustände in der katholischen
Schweiz von der helvetischen Revolution bis auf die Gegenwart. Zweite Abtheilung
(des Werkes von Dr. Ludwig Snell, Chr. W. Glück und Dr. A. Henne). 2. Band: von
1830 bis auf unsere Tage. Mannheim, Bassermann, 1851. 519 S.
- Die Einwanderung der Burgunder in die innere, und Süd- und Westschweiz. In: Festgabe auf den 21. und 22. Juni 1853 in Bern. Herausg. vom Literar. Verein in Bern.
Bern, Blom, 1853. S. 1-19.
- Haag, Friedrich, Die Sturm- und Drang-Periode der Bernischen Hochschule 1834-1854. Bern: Grunau, 1914.
- Weber, Robert, Die poetische Nationalliteratur der deutschen Schweiz. Musterstücke aus den Dichtungen der besten schweizerischen Schriftsteller von Haller bis auf die Gegenwart. Zweiter Band. Glarus 1866. S. 129 ff.
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